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Wissen und Technik - 23.05.2019

Keine Alternative zu Neonicotinoiden

Sulfoxaflor kann die verbotenen Neonicotinoiden wohl nicht ersetzen. Das Insektengift gefährdet die Fruchtbarkeit von Hummeln, zeigt eine Studie.

Eine Hummel sucht nach Nektar.

Seit Ende April 2018 sind Neonicotinoid-haltige Schädlingsbekämpfungsmittel aufgrund negativer Auswirkungen auf Bienen in der Europäischen Union im Freilandeinsatz verboten. Nun stellt sich heraus, dass Sulfoxaflor (Wirkstoffgruppe Sulfoximine) – ein bereits eingesetzter Ersatz für Neonicotinoide – die Fortpflanzungsfähigkeit von Hummeln beeinträchtigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Biologen Harry Siviter, Mark Brown und Ellouise Leadbeater von der Universität von London in Egham, die die Forscher jetzt im Fachblatt „Nature“ vorstellen.

In Deutschland läuft das Zulassungsverfahren noch

Sulfoxaflor ist in den USA seit 2013 zugelassen und im Einsatz, die Europäische Union erteilte 2015 eine Zulassung. In Deutschland sind die Zulassungsverfahren für Sulfoxaflor-haltige Pestizide noch nicht abgeschlossen. Das Gift wirkt auf Schadinsekten, indem es das gleiche Molekül wie Neonicotinoid-haltige Insektizide blockiert und die Übertragung von Nervenreizen behindert.

Um zu untersuchen, ob mit der ähnlichen Wirkweise auch vergleichbare Nebenwirkungen einhergehen, sammelten die Forscher Erdhummeln aus der Natur ein und versuchten, mit 249 Königinnen im Labor je eine Kolonie zu etablieren. Das gelang in 52 Fällen. 26 der Kolonien wurden zwei Wochen lang mit Zuckerwasser gefüttert, die übrigen bekamen Zuckerwasser mit fünf Molekülen Sulfoxaflor pro einer Milliarde Wassermolekülen – eine Konzentration, wie man sie im Nektar von Sulfoxaflor-behandelten Nutzpflanzen findet. Anschließend ließen die Forscher die Tiere frei, so dass sie Verhalten und Kolonieentwicklung wie unter Freilandbedingungen beobachten konnten.

Kolonien bringen keine Königinnen mehr hervor

Nach etwa drei Wochen wurde deutlich: Das Insektizid beeinträchtigt die Fortpflanzung in der Kolonie erheblich. So entwickelten Sulfoxaflor-exponierte Kolonien 54 Prozent weniger Nachwuchs, vor allem weniger Männchen. Keine der belasteten Kolonien brachte neue Königinnen hervor, während aus drei der unbelasteten 36 schlüpften. Ähnliche Auswirkungen auf die Reproduktion von Bienen sind von Neonicotinoiden bekannt, die aber durch ein gestörtes Sammelverhalten der Tiere ausgelöst werden. Sulfoxaflor beeinträchtige hingegen direkt die Entwicklung der Larven, vermuten die Forscher.

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