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Deutschland - 4 Wochen ago

„Feine Sahne Fischfilet“ – eine Band gegen rechten Hass

Als die Band nach den rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz auftrat, gab es schon Debatten. Nun hat offenbar Druck von Rechts dazu geführt, dass ein Konzert in Dessau abgeblasen wurde. Die Folge: Riesenärger.

Nach der Absage eines Auftritts der linken Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ (Artikelbild) im Bauhaus Dessau reißt die Kritik an der Entscheidung nicht ab. „Es darf niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Die Kunstfreiheit genieße in Deutschland hohen Verfassungsrang. Diese sei auch eine Lehre aus der deutschen Geschichte, erklärte Grütters. 

Ein Fall politischer Agitation und Aggression?

Die Struktur der Verantwortlichkeiten ist etwas verworren: Der diesjährige Vorsitzende des Bauhaus Verbundes, Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), schrieb in einem Brief an die Mitglieder des Museumsverbandes, er widerspreche entschieden den Äußerungen der Stiftung Bauhaus Dessau, das Bauhaus sei ein „bewusst unpolitischer Ort“. Die Kunstschule fordere nach ihren eigenen Erfahrungen in der Nazi-Zeit und der DDR zu einer klaren Haltung gegen alle Einschüchterungsversuche auf.

Ein unpolitischer Ort? Das Bauhaus in Dessau

Der Fernsehsender ZDF hatte für den 6. November in seiner Reihe „zdfàbauhaus“ ein Konzert mit der umstrittenen Band geplant. Das Bauhaus hatte dann von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und das Konzert untersagt, nachdem rechte Gruppierungen im Internet zum Protest gegen den Auftritt der linken Musiker aufgerufen hatten. Man wolle kein Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden, hieß es. „Dies steht auch im Kontext jener polarisierten gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die in den vergangenen Monaten das Bild Ostdeutschlands geprägt haben“, hatte die Stiftung Bauhaus zur Begründung mitgeteilt.

„Maßstäbe in Sachen Erbärmlichkeit“

Die Band selbst kritisierte die Absage in einer Stellungnahme auf Facebook scharf. Das Bauhaus sei vor der rechten Szene eingeknickt, schrieben die Musiker. Das setze „neue Maßstäbe in Sachen Erbärmlichkeit“, hieß es weiter. Zudem kritisierte die Band die Absage als Eingriff in die Programmentscheidung des ZDF.

„Feine Sahne Fischfilet“ kündigte an, auf jeden Fall am 6. November in Dessau-Roßlau aufzutreten. „Wenn wir und viele andere Menschen bei jeder kleinen Einschüchterung sich gleich wegducken und jedes Konzert absagen würden, welches die Nazis zur Weißglut bringt, dann würde hier nahezu gar nix mehr gehen“, schrieben die Musiker auf Facebook. Die Band habe sich sehr gefreut, „in diesem intimen und einzigartigen Rahmen“ des Dessauer Bauhauses zu spielen. Das ZDF sucht derzeit nach einem neuen Ort für das Konzert.

Im Blick des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommern

Lederer betonte, die Mobilisierung gegen das Konzert sollte als Angriff auf die Kunstfreiheit verstanden werden. „Wir können und wollen die politischen Wurzeln des Bauhauses nicht einfach ignorieren“, erklärte er. Dagegen hatte Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) die Absage verteidigt. Dem Radiosender MDR Kultur sagte Robra, eine politische Konfrontation sei mit dem Bauhaus nicht vereinbar. Die Direktorin des Bauhauses sei in die Überlegungen des ZDF nicht eingebunden gewesen und habe erst am Mittwoch von der Einladung der Band erfahren.

„Wir sind mehr“ in Chemnitz: Auch hier traten Monchi und seine Musiker auf

„Feine Sahne Fischfilet“ war, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe ausführt, wegen früherer Texte von 2011 bis 2014 im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern erwähnt worden. Darin sei auf Texte der Band Bezug genommen worden, die eine „explizit anti-staatliche Haltung“ an den Tag gelegt hätten.

Vor diesem Hintergrund hatte es auch vor dem Auftritt der Formation um Sänger Jan Gorkow, genannt Monchi, bei dem „Wir sind mehr“-Konzert nach den rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz Debatten gegeben. Die Gruppe spielte ungeachtet dessen bei dem Konzert vor etwa 65.000 Menschen.

ml/nob (dpa, epd, Der Spiegel)

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