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Wissen und Technik - 16.05.2019

Mathe-Abi wird nicht nachgeholt

Bayerns Kultusminister stellt erste Ergebnisse der Überprüfung der Mathe-Klausuren vor – und befindet, sie seien „in keiner Weise angreifbar“

Viele Schüler in Bayern protestierten, das Mathe-Abi sei zu schwer gewesen.

Mit den Zahlen hat es Michael Piazolo nicht so an diesem Tag, als er über das scheinbar zu schwere bayerische Mathematik-Abitur aufklären möchte. Mehr als 70 000 Menschen haben sich wie berichtet in den vergangenen knapp zwei Wochen bei einer Online-Petition eingetragen, die eine Anhebung der Noten verlangt. Dabei gibt es in diesem Jahr in Bayern nur 37 000 Abiturienten.

„Es scheint etwas schlechter auszufallen als in den letzten Jahren“, sagt Piazolo, bayerischer Kultusminister und Freie-Wähler-Politiker am Donnerstag nach einer ersten Untersuchung durch Experten. Für ihn sei das jetzt aber „kein Anlass, in das Verfahren und in die Benotung einzugreifen“. Bisher ist ein Teil der Erstkorrekturen ausgewertet worden, die Zweitkorrekturen der schriftlichen Abiturprüfung stehen noch aus. Eine abschließende Beurteilung werde dann kurz vor oder nach Pfingsten vorliegen, sagt Piazolo.

Abweichung könnte bei 0,1 bis 0,2 Notenpunkten liegen

Was also heißt „etwas schlechter“?, wird der Minister auf der Pressekonferenz hartnäckig gefragt. Er windet sich, spricht davon, dass „diese Schwankungsbreite üblich“ sei und die Schüler ihre Note noch verbessern könnten, wenn sie auch die freiwillige mündliche Abiturprüfung in Mathe absolvieren. Schließlich meint Piazolo, der vorher Politik-Professor an der Hochschule München war, dass es sich bei der Abweichung nach unten derzeit wohl um „0,1 bis 0,2“ Notenpunkte handle. Und schiebt nach, dass das schriftliche Mathe-Abi lediglich 6,6 Prozent des gesamten Abiturs ausmache.

Im Schnitt lagen die schriftlichen Abi-Noten in Bayern laut Piazolo in den letzten Jahren bei um die 3,0. Wenn es jetzt eine 3,1 oder 3,2 wird, wäre das schon schlechter, aber eben nicht viel. Piazolo sagt, er habe das Thema und den Protest sehr ernst genommen. Innerhalb weniger Tage haben sich, bei weiterhin laufendem Abitur, laut Piazolo Mathematiker, Lehrkräfte, Prüfer, Ministerialbeauftragte und Direktoren über die Aufgabenstellung und die Rechnungen der Schüler gebeugt und alles sorgfältig geprüft.

Vor allem über den Geometrie- und den Stochastik-Teil gab es teils heftige Schülerbeschwerden, Analysis dagegen schien in Ordnung gewesen zu sein. Doch so verschieden die Schüler sind, so unterschiedlich fallen auch die Klagen aus: Manche der Abiturienten fanden die einfacheren A-Teile zu schwer, anderen reichte die Bearbeitungszeit nicht, weitere monierten, dass die Aufgaben viel zu viel Text enthalten hätten. Einige Lehrkräfte haben sich hinter die Schüler gestellt. Andere wiesen die Kritik zurück. Josef Kraus, langjähriger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, beschimpfte gar die Schülerinnen und Schüler und meinte, dass „die jungen Leute nichts mehr drauf haben“.

„Keine unlösbaren oder falsch gestellten Aufgaben“

Für Piazolo ist nun bereits klar, dass die Klausuren „in keiner Weise angreifbar“ seien. Es habe keine unlösbaren oder falsch gestellten Aufgaben gegeben, sie enthielten keine Fehler – und die Noten seien eben auch nicht deutlich schlechter als früher. Noch einmal geschrieben werde das Mathematik-Abitur auf keinen Fall. Über ein Anheben der Benotung schweigt sich der Minister aus. Dass diese Schülerforderung erfüllt wird, erscheint nach seinen gestrigen Aussagen aber als sehr unwahrscheinlich.

In einem Fall wie diesem ist Kultusminister ein undankbarer Job. Mit dem eigenen Apparat will man es sich nicht verscherzen und mögliche Mängel benennen. Denn dann hätte man viele Oberstudienräte als neue Feinde. Die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern aber möchte man auch nicht gegen sich aufbringen. Unkalkulierbar wird es, wie jetzt in Bayern geschehen, wenn die massenhaften Klagen über eine zu schwere Prüfung auf andere Bundesländer wie Berlin übergreifen.

Simone Fleischmann, die Vorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands BLLV, sieht es grundsätzlich nicht viel anders als Piazolo. Dem Tagesspiegel sagte sie, sie begrüße es, wie der Minister der Angelegenheit nachgegangen sei. Viele Lehrkräfte hätten aber gesagt, dass dieses Matheabitur „ein anderes Niveau hatte“.

Den Schülern rät der Minister, vor den zwei abschließenden mündlichen Prüfungen „Ruhe und Konzentration zu bewahren“. Auch Joshua Grasmüller ist zur Pressekonferenz gekommen, er ist in der 11. Klasse und Sprecher des bayerischen Landesschülerrates. „Wir haben sehr viele Beschwerden bekommen“, sagt er. Insofern sei es gut, dass das Matheabitur überprüft wird – auch wenn er von den ersten Ergebnissen „ein Stück weit enttäuscht“ sei. Denn eine verhauene Prüfung ließe sich jetzt wohl nicht mehr auf ein über die Maßen schweres Monster-Abi schieben.

Aufgaben aus dem Berliner Mathematik-Abitur zum Nachrechnen finden Sie hier.

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