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Kultur - 31.10.2018

Bares für Rares: Händler fiel auf Kunstdruck rein

Er ist einer der Händler bei „Bares für Rares“: Wolfgang Pauritsch schreibt in seinem Buch „Der Auktionator“, wie er zur Kunst und ins Fernsehen kam. In einem Kapitel verrät er Details der Dreharbeiten – und widerspricht Fake-Vorwürfen.

„Bares für Rares“-Händler Wolfgang Pauritsch

Er gehört wie Moderator Horst Lichter seit der ersten Stunde zu „Bares für Rares“: Der gebürtige Österreicher

Wolfgang Pauritsch ist einer der Händler der ZDF-Show. In seinem Buch „Der Auktionator“ schildert der 46-Jährige seinen ungewöhnlichen Lebensweg vom Schlosser, Nachtwächter und Kaufhausdetektiv zur Kunst. Im Kapitel „Bares für Rares – In der Mitte am Händlertisch“ schilder Pauritsch, wie er ins Fernsehen kam und gibt einen Einblick hinter die Kulissen der Sendung: Warum ihn ein 35.000-Euro-Kauf ins Schwitzen brachte, was sein größter Reinfall war und widerspricht massiv Vorwürfen, die Show sei gescripted. Der stern druckt eine Leseprobe aus „Der Auktionator – Mein Leben zwischen Trödel, Kunst und Leidenschaft:

Kapitel 11

„Bares für Rares“ – in der Mitte am Händlertisch

Seit vielen Jahren nun bin ich Händler in der TV-Sendung „Bares für Rares“, die erfolgreiche Sendung, für die Horst Lichter im Februar 2018 die Goldene Kamera erhielt. Ich sitze am Händlertisch in der Mitte, und mein Spezialgebiet ist wertvoller Schmuck und Edelsteine. Wenn ich zurückdenke, wie alles angefangen hat, fallen mir die folgenden Dinge ein:

„Der Auktionator – Mein Leben zwischen Trödel, Kunst und Leidenschaft“ von Wolfgang Pauritsch ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen. Preis: 18 Euro

Meinen allerersten Auftritt im Fernsehen hatte ich im November 1997. Nach einer Auktion in Köln sprach mich ein Regisseur direkt an und wollte mich für eine Benefiz-Versteigerung in einer Harald-Schmidt-Show gewinnen. Für mich ein völlig unbekanntes Fahrwasser, eine Live-Show zudem – ich war mächtig nervös. Doch es lief für das erste Mal bemerkenswert gut, Jürgen von der Lippe hatte einen Gegenstand zur Verfügung gestellt, ebenso Henry Maske und auch Hella von Sinnen. Das Publikum machte begeistert mit, und wir konnten tatsächlich einen guten Betrag für den „Red Nose Day“ erzielen.

Offensichtlich hatte ich ein Gespür für ein Benefiz-Publikum entwickelt, und wenn ich an eine meiner ersten eigenen Benefiz-Veranstaltungen vor vielen Jahren zurückdenke, hat alles relativ unspektakulär begonnen. Geplant war ein großes Golfturnier des Lions Clubs in Herzogenaurach mit anschließender Versteigerung. Der Erlös sollte Kindern in Herzogenaurach zugutekommen. Der Schirmherr des Golfturniers beauftragte mich als Auktionator. Er wollte mich definitiv auch bezahlen, doch mir war es wichtiger, zusammen mit meinem Freund an dem Turnier teilzunehmen. Die

Auktion brachte mehrere Tausend Euro ein.

Seither mache ich zwei bis drei Mal im Jahr eine Benefiz-Auktion. 50 sind es inzwischen geworden. Damit konnte ich bisher sehr vielen Menschen helfen. Ich denke, es ist wichtig für uns, wenn es uns selbst gut geht, etwas davon weiterzugeben. Gut im Gedächtnis ist mir auch eine Benefiz-Auktion der Deutschen Kinder-Schlaganfallhilfe e.V., die in

Bremen in der Bürgerhalle direkt am Marktplatz stattfinden sollte. Die Werbung für diese Veranstaltung wollte eine Bremer Firma übernehmen.

Mein Job war es, 20 Künstler-Grafiken zu versteigern. Ich spende bei einer solchen Gelegenheit auch immer noch einige Schmuckstücke, wie z. B. eine Perlenkette, einen Anhänger oder eine Taschenuhr, womit das Ganze etwas aufgelockert wird. Um 16.00 Uhr sollte es losgehen. Ich kam bereits gegen 12.00 Uhr, um mir in Ruhe vorher alles anzusehen. Vor dem Haus wies nichts darauf hin, dass hier in vier Stunden eine Versteigerung stattfinden sollte, kein Plakat, kein Aufsteller. Eine super Lokation, allerdings im ersten Stock. 150 Stühle waren aufgestellt, die Bilder waren platziert, und ich hatte meine Stücke dazugestellt.

Versteigerung drohte zum Reinfall zu werden

Eine halbe Stunde vor Beginn waren wir zu acht. Der Vorsitzende der

Kinder-Schlaganfallhilfe, einige Helfer und der Bürgermeister. Dazu die Catering-Mitarbeiter. Aber es kamen keine Kunden. Ich schaute aus dem Fenster. Sicher 1.000 Menschen waren auf dem Marktplatz zu sehen, doch niemand kam herauf. Wir alle wurden langsam etwas nervös. Dann kam ein Ehepaar – die musikalische Begleitung.

Die Frau spielte Geige und der Mann Querflöte. Eine ältere Dame betrat die Halle und sah sich etwas erschrocken in dem leeren Raum um. Sie schien die erste Kundin zu sein. Punkt vier kam noch ein Ehepaar. Der Vorsitzende bot mir an, die Veranstaltung abzublasen, was ich dann aber ablehnte, denn ich war nicht umsonst von Oberstaufen nach Norddeutschland gefahren. Ich wollte nun auch eine Auktion.

Und diese begann mit den paar Besuchern, die im Raum Platz genommen hatten. Der Bürgermeister sprach zur Eröffnung und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass noch weitere Leute kommen würden. Nach ihm spielten die beiden Musiker ein Stück. Ich stieg auf das Pult, begrüßte das kleine Publikum und sagte, dass es für mich ziemlich einfach sei, eine Auktion vor 100 Leuten abzuhalten, doch diese Veranstaltung sei eine echte Herausforderung – und eben dieser sollten wir uns jetzt gemeinsam stellen.

Von den 20 Kunstgrafiken konnte ich elf verkaufen, eine ersteigerte der Hausmeister und eine ich selbst; der Musiker kaufte ein Bild, seine Frau eine Uhr, die Organisatoren selbst haben ebenso gekauft. Die alte Dame, die zuerst herein kam, ersteigerte drei Stücke und das Ehepaar fünf. 6.000 Euro kamen dabei zusammen, und es bleibt eine Veranstaltung, die mir immer im Gedächtnis sein wird, wenn ich einen Auktionsraum betrete.

Ich erhielt später ein Dankesschreiben der Veranstalter, in dem mich ein Satz besonders stolz und glücklich gemacht hat: „Die Versteigerung war ein Zeichen, wie bei einem Schlaganfall. Man darf niemals aufgeben.“

So kam ich zu „Bares für Rares“

Doch jetzt zurück zu meiner „Fernsehkarriere“, die auch auf einer Benefiz-Veranstaltung begann. Es war im Frühjahr 2013 auf einem Schloss in der Nähe von Freiburg. Dort muss ein Mitarbeiter des ZDF im Publikum gewesen sein, der mich während meiner Arbeit beobachtete.

Kurz nach der Veranstaltung dort rief mich eine Mitarbeiterin der Firma Eyeworks, die „Bares für Rares“ produziert, an und bot mir an, in der Sendung als Händler mitzumachen. Ganz reale Antiquitäten sollten verkauft werden, die von den Zuschauern angeboten wurden. Der Plan war, zunächst fünf Folgen zu drehen. Ich war neugierig, was mich erwarten würde, und sagte zu.

So fuhr ich nach Köln, wurde Horst Lichter vorgestellt, lernte meine Kollegen und das Produktionsteam kennen, und wir drehten die erste Folge von „Bares für Rares“. Heute sind es bereits weit über 500 Folgen. Das Interesse der Zuschauer ist groß. 2017 drehten wir schließlich die erste große „Bares für Rares“-Sendung, die das ZDF zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr ausstrahlen wollte, auf Schloss Engelskirchen.

Auch nach den nunmehr fünf Jahren kommt keine Routine oder Langeweile auf. Die Spannung für mich liegt in den immer wieder neuen Menschen, die zu uns mit ihrer Händlerkarte in den Verkaufsraum kommen. Hinter der Kamera arbeitet ein 80-köpfiges Team, meine Händlerkollegen sind prima in Ordnung, so dass wir oft auch nach den Dreharbeiten zusammen etwas unternehmen.

Manche Raritäten sind ein Problem

Manchmal stellen uns die Angebote aber auch vor ein Problem. Jeder der Händler unseres Teams handelt mit den Dingen, mit denen er sich auskennt und die er beurteilen kann. Und niemand kann alles beurteilen, weder meine Kollegen noch ich. So sollte und muss ich also auch im Fernsehen der Linie unseres Geschäfts treu bleiben. Wir sind spezialisiert auf Schmuck, führen heute keine Möbel mehr, auch keine Teppiche – und auch keine Briefmarken. Dieses sei gesagt für alle diejenigen, die mich gern nach der Sendung anrufen und etwas kaufen oder verkaufen möchten.

Und noch etwas zum Timing: Wenn wir eine Sendung „Bares für Rares“ gedreht haben, vergehen acht Wochen bis zur Ausstrahlung. In dieser Zeit wird das Filmmaterial aus mehreren Kameras, die gleichzeitig aufnehmen, zusammengeschnitten. Das wissen die meisten Zuschauer nicht, da die Sendung einen Live-Charakter ausstrahlt.

Wenn ich in der Sendung zum Beispiel eine Vase kaufe und diese bei uns im Geschäft ausstelle, dann ist sie nach drei Wochen wahrscheinlich verkauft. Fünf Wochen später wird diese Sendung ausgestrahlt, und es kommen Anfragen. Sage ich, die Vase sei bereits verkauft, dann stoße ich immer wieder auf ungläubiges Erstaunen. Das könne doch nicht sein; ich hätte die Vase doch gerade erst erstanden.

Nachdem wir diese Erfahrung ein paar Mal machen mussten, haben wir daraus gelernt. Die Käufe aus „Bares für Rares“ kommen erst einmal in unser Lager. Hervorgeholt werden sie, wenn die Sendung ausgestrahlt wurde. Die Menschen, die dann anrufen, freuen sich, wenn ich ihren Wunsch erfüllen kann.

Hier folgen nun ein paar kurze Episoden, die mir persönlich etwas bedeuten, die mich belustigen, mich nachdenklich gemacht haben, die mich berühren. Mein teuerster Kauf in der Sendung war ein Auto.

Ich kannte einen Autohändler in der Gegend von Bremen, der Interesse an Oldtimern hatte. Ihn als Kunden im Kopf bot ich mit, als ein Zuschauer mit seinem Borgward vor uns Händlern stand. Bei dem Gebot von 35.000 Euro gehörte der Wagen mir, und genau in dem Moment des Zuschlags bekam ich ziemliche Magenschmerzen. Ich kenne mich mit Autos nicht wirklich aus und kann nicht beurteilen, wie es unter der Motorhaube aussieht. Aber es ging alles gut. Ich rief den Autohändler in Bremen an, er veranlasste eine Blitzüberweisung von 35.000 Euro nach Köln, und der Verkäufer konnte mit dem Geld nach Hause fahren.

An einem anderen Tag kam eine ältere, sehr noble Dame aus Wien in das Kölner Studio. Sie brachte uns ein Bild des ungarisch-österreichischen Malers Rudolf Raimund Ballabene, das ein Riesenrad zeigte. Ballabene war nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tod 1968 in Wien sehr erfolgreich, und seine Bilder erfreuten sich einer großen Beliebtheit und Nachfrage. Die Dame erzählte uns, dass sie diesen Künstler vor mehr als 50 Jahren in einer Galerie am Wiener Prater kennengelernt hatte. Sie hatten sich sofort so gut verstanden, dass Ballabene ihr dieses Bild mit dem typischen Riesenrad des Praters geschenkt hatte.

Ich fragte die Dame, wie sie dieses Bild verkaufen könne, das nicht nur schön, sondern doch sicherlich auch mit wunderbaren Erinnerungen verbunden sei. Sie antwortete mir, dass ihr dieses Bild viele Jahrzehnte lang große Freude gemacht habe. Jetzt, wo sie alt und im letzten Abschnitt ihres Lebens angekommen sei, wollte sie das Bild und die Freude an ihm an einen anderen Menschen weitergeben. Es würde ihr gefallen, wenn ich als Österreicher dieses Bild kaufen und es dann in meiner Wohnung aufhängen würde. Genau das habe ich der Frau versprochen, und sie machte mir einen wirklich guten Preis. Das Bild hängt bis heute in meiner Wohnung, und ich freue mich jedes Mal neu, wenn ich es anschaue.

Eine andere Geschichte: Die schlanke Dame vor unserem Händlertisch hatte ein Gemälde mit in die Sendung gebracht, das den Königssee zeigte. Auch wenn der ostpreußische Landschaftsmaler, von dem es stammte, aktuell gute Preise erzielte, ihr selbst gefiel das Bild nicht, ihrem Mann nicht und auch die Hunde, deren Raum es zuletzt zierte, zeigten keinerlei Interesse daran. Also wollte sie es möglichst gut verkaufen.

Unser Experte Albert Maier musste sie jedoch herb enttäuschen: Ein billiger Druck, aufgeklebt auf Leinwand; der Wert zwischen 25 und 30 Euro. Die Dame wollte das Bild trotzdem loswerden – Horst Lichter gab ihr die Händlerkarte. Im Händlerraum haben wir das Bild zuerst nur oberflächlich geprüft. Eine Ecke war beschädigt, das Bild war offensichtlich „doubliert“: auf Papier gemalt und dann auf Leinwand geklebt.

Fabian bot schnell 100 Euro; Ludwig erhöhte auf 200 Euro und dann überbot ich beide mit 250 Euro. Die Dame stimmte hastig zu, schnappte sich das Geld und war blitzschnell verschwunden. Ich hielt meinen Kauf in der Hand, nahm die Lupe ans Auge, und dann sah ich es: Es gab nicht einen Pinselstrich auf dem Blatt. Es war ein billiger Druck. „Gut gemacht, Wolfgang!“, platzte es mir heraus. „Ich hätte die Lupe vorher nehmen sollen!“

Die Regie fragte mich später, ob wir die Episode aus der Sendung herausnehmen sollten. Doch ich war sehr dafür, sie zu zeigen. Aus zwei Gründen: Ich werde immer wieder gefragt, ob die Episoden in „Bares für Rares“ wirklich echt sind. Natürlich sind sie echt, und die meisten unserer Zuschauer spüren das auch. Und so sollte mein Fehlkauf dieses weiter bestätigen.

Mein zweiter Grund, diese Episode ganz normal zu zeigen, war mir noch wichtiger: Wir sind Menschen, und wir machen Fehler, und aus diesen Fehlern können wir nur lernen. Das darf man nicht verstecken, ganz im Gegenteil. Wie ging es nun für mich mit dem Königssee-Bild weiter? Ich schrieb auf die Rückseite „Mein bester Fehlkauf“ und ließ es als Erinnerungsstück von Horst Lichter, meiner Händlerkollegin Susanne und den Kollegen Fabian, Ludwig und Walter unterschreiben. Das Bild hängt jetzt in meinem Büro in Oberstaufen. Aber seit diesem Vorfall habe ich vor jedem Gebot die Lupe zuerst in der Hand.

Auch möchte ich hier einmal sagen, dass es immer wieder die überraschenden und unerwarteten Dinge sind, die mich begeistern. So wurden uns einmal vier Flaschen mit Süßwein, die zwar bereits ein beachtliches Alter hatten, aber der Inhalt immer noch gut und trinkbar sein sollte, angeboten. Ich wollte sie haben, und das ist mir auch gelungen. Glücklich über diesen Kauf öffnete ich dann am Abend eine der Flaschen mit meinen Kollegen. Die übrigen drei Flaschen konnte ich trotzdem noch so verkaufen, dass ein kleiner Gewinn blieb. Es gibt selten ein gutes Geschäft, das gleichzeitig so gut schmeckt.

In den meisten Sendungen von „Bares für Rares“ sind fünf Händler im Raum. Spannend wird es in der Sendung, wenn sich mehrere von uns für dasselbe Stück interessieren. Besonders dann, wenn zwei oder drei von uns es wirklich haben wollen. Ich bin – wie gesagt – auf Schmuck spezialisiert, meine Kollegin Susanne ebenfalls; da gibt es schon das eine oder andere Mal ein Bietergefecht zwischen uns. Wir sind zwar gute Kollegen, aber wir sind auch Konkurrenten, und manchmal gewinnt am Ende Susanne, manchmal gewinne ich.

Dabei passiert es schon einmal, dass wir weit über den tatsächlichen Wert hinausgehen. Die Zuschauer sehen dann besonders deutlich, dass in der Sendung nichts abgesprochen oder „gefaked“ ist. Und sie sehen, dass wir für interessante Stücke auch einen guten Preis bieten.

Was ich am liebsten ersteigere? Seit 25 Jahren nun bin ich aktiv im Kunst- und Schmuckhandel. Ich liebe russische Silberexponate. Ob sie von den ganz großen Silberschmieden stammen wie Peter Carl Fabergé, Pavel Bure, Ivan Khlebnikov und Pawel Ovchinnikow oder auch von weniger bekannten Künstlern. Russische Stücke begeistern mich einfach wegen ihrer handwerklichen Perfektion immer wieder aufs Neue.

Wenn russisches Silber in der Sendung angeboten wird, dann bin ich als Bieter immer dabei. Meistens – leider nicht immer – schaffe ich es auch, die Stücke zu ersteigern. Es gibt für russische Silberarbeiten viele Sammler. Mitte des letzten Jahrhunderts noch gab es ein starkes Angebot, weil sich russische Familien von ihren Erbstücken trennen wollten. Jetzt hat sich der Trend umgekehrt: Es sind oft russische Sammler, die diese Stückewieder für ihre Sammlung kaufen.

Sehr gerne kaufe ich auch Stücke, die Metallarbeit oder Metallarbeiter darstellen. Wenn ich ein Bild oder eine Skulptur sehe, die einen Schmied zeigt oder einen Amboss, dann erwacht in mir wieder der Schlosser, und ich bin dabei. Was mich ebenfalls sehr interessiert, sind Bergleute auf einem Bild oder als Skulptur. Sie erinnern mich an meinen Großvater, der bis zu seinem schweren Arbeitsunfall unter Tage gearbeitet hat. So kann ich durchaus sagen, dass meine Familie mich geprägt hat in meinen Neigungen und persönlichen Interessen als Auktionator.

Na klar, Idealismus gehört auch dazu. So fällt mir ein: Die meisten Sendungen „Bares für Rares“ werden in unserem Studio in Köln produziert. Manchmal wechseln wir aber auch an einen anderen interessanten Ort. So zum Beispiel in das historische Kaufhaus in Freiburg. Dort kam zu uns ein Ehepaar aus Tirol, das uns Steiff-Exponate anbot. Jeder kennt die Kuscheltiere mit dem Knopf im Ohr, aber die Firma Steiff hat auch Szenen produziert. In unserem Fall ein Steiff-Karussell, eine Steiff-Werkstatt, in der man die berühmten Teddybären bei der Arbeit sieht, und eine Steiff-Band mit den Teddybären als Musiker mit ihren Instrumenten.

Bei den Exponaten handelte es sich um limitierte Editionen; sie waren nur in einer streng begrenzten Stückzahl für registrierte Steiff-Sammler auf den Markt gebracht worden. Es handelte sich aber nicht um Antiquitäten, Stücke mit einem gewissen Alter, oder Raritäten, Dinge die selten sind – im Gegenteil, die Steiff-Exponate findet man sehr oft noch im normalen Handel. Deshalb hatte keiner von uns Händlern Interesse an den Stücken. Das war kein böser Wille. Doch wir können nur das einkaufen, was wir auch wieder verkaufen können, wofür es Kunden gibt.

Das Ehepaar lief also Gefahr, den weiten Weg aus dem hintersten Tirol nach Freiburg vergeblich zurückgelegt zu haben. Als Österreicher, ja besonders auch als Tiroler, spürte ich eine Solidarität, eine gewisse Loyalität meinen Landsleuten gegenüber und bot den beiden für die drei Exponate 1.000 Euro an, mit dem Hinweis, dass ihre lange Anfahrt damit nicht ganz vergeblich war. Sie freuten sich beide, und ich habe die drei Steiff-Exponate später dann doch noch mit einem kleinen Gewinn weiterverkaufen können. Das wichtigste aber war mir, dass die beiden Österreicher (und dann noch Tiroler) nicht mit leeren Händen nach Hause fahren mussten.

Gerne unterstütze ich auch junge Menschen, die wirkliche Fans von „Bares für Rares“ sind und dort irgendetwas verkaufen wollen, um mit dem Erlös etwas Sinnvolles zu tun. So war das auch bei dem knapp siebzehnjährigen Jungen, der zu uns in die Sendung kam, um seinen Führerschein zu finanzieren. Es hat am Ende nicht ganz gereicht – aber den größten Teil des Geldes bekam er zusammen. Ich konnte ihm viel Erfolg wünschen und ihm den Rat mitgeben, vorsichtig zu fahren und sich niemals mit Alkohol im Blut ans Steuer zu setzen. Denn wer das Geld für Alkohol hat, der hat auch das Geld für ein Taxi. Der junge Mann versprach mir, das zu beherzigen.

Und letztlich gibt es auch sehr persönliche und berührende Geschichten im Händlerraum, wie diese zum Beispiel: Die ältere Dame kam mit einem Ring zu uns, den ihr Mann ihr kurz vor seinem Tod geschenkt hatte. Er hatte Krebs und wusste, dass er nicht mehr lange leben würde. Er wollte seiner Frau noch einmal Danke sagen, auch für ihre Pflege in den letzten Monaten. Viele Jahre lang hatte sie diesen Ring nun getragen. Doch jetzt war die Zeit eine andere geworden, und sie brauchte das Geld für eine notwendige Autoreparatur.

Bei solchen Gelegenheiten kommt es vor, dass einer von uns Händlern das angebotene Stück kauft und dann noch einige Euro drauflegt, um die Summe auszugleichen, die benötigt wird. Es kommt auch immer wieder einmal vor, dass sich andere oder alle Kollegen daran beteiligen.

Mein Kollege Walter kaufte von der Dame diesen Ring für 900 Euro. Sie benötigte für die Reparatur ihres Autos 1.000. Deshalb legten Ludwig und ich jeder noch einmal 50 Euro dazu. Als die Dame uns verließ, hatte sie Tränen in den Augen. Ich habe mit „Bares für Rares“ die Erfahrung gemacht, dass ich fast alles zu fast jedem Preis verhandeln kann. Mein Leben als TV-Auktionator bleibt bunt …

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