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Deutschland - 18.11.2018

„Denken Sie daran, dass Frankreich Sie liebt“

Mit Kranzniederlegungen und einer bewegenden Feierstunde im Bundestag ist am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht worden. Der französische Präsident Macron hielt eine emotionale Rede.

Stehender Applaus in der Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Bundestag: Das hat es so noch nie gegeben. Er galt dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der in diesem Jahr die zentrale Rede in der Feierstunde hielt. Dass er dazu eingeladen worden war, dafür bedankte sich Macron ausdrücklich. Das sei ein großes Signal der Versöhnung. „Kein Volk hat seine Geschichte so aufrichtig aufgearbeitet um seine Lehren aus der Geschichte zu ziehen, wie Deutschland.“

Deutschland habe die „blutrünstigen Dämonen des Nationalismus“ überwunden. „Ich bin stolz, dass Frankreich eine Rolle bei dieser Wiederauferstehung gespielt hat“, sagte Macron. Man habe daran gearbeitet, ein europäisches Projekt aufzubauen und sich die Hand zu reichen. Unsere Gemeinsamkeiten sind stärker als unsere Unterschiede.“ In Momenten, in denen aus Frankreich auch schon einmal Worte kommen würden, die vielleicht unverständlich seien, sei nur wichtig: „Denken Sie daran, dass Frankreich Sie liebt.“ 

Eindringlicher Appell an die Europäer

Ein wichtiges Kapitel in seiner 20-minütigen Rede widmete Macron der Europäischen Union. Europa stehe am Scheideweg, jetzt sei unbedingt mehr Engagement gefragt. Der Präsident rief zu einer „Kraftanstrengung“ auf, um Europa in Zeiten eines neuen Nationalismus krisenfester zu machen. „Heute müssen wir ein neues Kapitel aufschlagen, das schulden wir Europa.“ Die EU brauche mehr Eigenständigkeit und mehr Stärke, um sich in der Welt künftig behaupten zu können. „Europa und darin das deutsch-französische Paar hat die Pflicht, die Welt nicht ins Chaos abgleiten zu lassen“, so Macron.

Der französische Präsident Emmanuel Macron im Bundestag

Europa müsse mehr Verantwortung für seine Verteidigung und seine Sicherheit übernehmen, es brauche eine größere europäische Souveränität. „Dieser Kampf ist nicht gewonnen, dieser Kampf wird nie gewonnen sein“, sagte Macron, Zudem müssten der Klimawandel, Handelskonflikte und andere Herausforderungen gemeistert werden. „Wir wünschen uns alle eine faire Weltordnung.“

Der Präsident räumte ein, dass die Neuaufstellung der EU auch Angst mache. „Jeder von uns wird im Sinne einer Vergemeinschaftung seine Entscheidungsbefugnisse, seine Außenpolitik, seine Migrations- oder Entwicklungspolitik sowie einen wachsenden Teil seines Haushalts oder sogar seiner Steuereinnahmen teilen müssen“, sagte Macron. 

Versöhnung heißt nicht Vergessen

Traditionell wird das jährliche Gedenken am Volkstrauertag vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ausgerichtet. Dessen Präsident Wolfgang Schneiderhan betonte in seiner Rede im Bundestag, Versöhnung heiße nicht Vergessen. „Versöhnung beginnt, indem wir eigenes und anderes Versagen erkennen, Schuld bekennen und auch das Leid des anderen anerkennen.“

Feierstunde im Bundestag

Erst dieser Dreiklang ermögliche einen dauerhaften Frieden, mit sich selbst und mit dem Gegenüber. „Alle Versuche, die dunklen Jahre unserer deutschen Geschichte zu relativieren oder gar zu verharmlosen, sind hingegen nur Wegbereiter für neue Vorurteile, neue Konflikte und neue Kriege“, so Schneiderhan. „Wenn heute erneut zu Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und rechter Hetze aufgerufen wird, um die Idee eines gemeinsamen Europas zu diskreditieren, müssen wir dem mit Nachdruck entgegenwirken. Das ist unser aller vorrangige gemeinsame Aufgabe.“

Bewegendes Projekt junger Fußballer

Die Feierstunde wurde auch von jungen Nachwuchsfußballern aus Deutschland, Großbritannien und Belgien mit gestaltet. Sie lasen Briefe und Lebensschicksale von ehemaligen Fußballern ihrer Vereine vor, die als Soldaten gestorben waren. „Tränen haben keine Farbe“, sagte ein Fußballer des FC Brügge mit Blick auf die völkerverbindende Kraft des Fußballs. Die Sportler besuchten zudem im Rahmen des Projekts „Fußball erinnert“ Soldatenfriedhöfe in mehreren Ländern, um die Schrecken des Kriegs zu begreifen.  

Kranzniederlegung in der Neuen Wache

Für Emmanuel Macron und Frank-Walter Steinmeier hatte der Tag in einem alten Kino im Ostteil Berlins begonnen. Unter dem Titel „Youth for Peace – 100 Jahre Erster Weltkrieg, 100 Ideen für den Frieden“ trafen sich dort an diesem Wochenende 500 junge Menschen aus 48 Ländern Europas, Afrikas und des Nahen Ostens, um darüber zu diskutieren, wie der Frieden in einer unruhigeren Welt gesichert und der Zusammenhalt gestärkt werden kann.

Die kostbarsten Ideen sind die zerbrechlichsten

Mit ihrer Teilnahme an der Abschlussveranstaltung drückten Macron und Steinmeier ihre Unterstützung für das Projekt des deutsch-französischen Jugendwerks aus. Die Jugend müsse für ein weltoffenes, friedliches Europa kämpfen. „Wir befinden uns an einem sehr wichtigen Zeitpunkt unserer Geschichte“, sagte der französische Präsident, der am Vormittag des Volkstrauertags in Berlin gelandet war. Es gehe darum, „über unsere gemeinsame Geschichte“ und Kultur nachzudenken und daran zu arbeiten. „Eine Jugend kann nur die Zukunft aufbauen, wenn sie die Vergangenheit kennt.“ Sonst gebe es das Risiko, Fehler zu wiederholen. „Schafft ein offenes, ehrgeiziges Europa“, forderte Macron von seinen jungen Zuhörern.

Macron und Steinmeier bei der Übergabe der Ideen für den Frieden

Bundespräsident Steinmeier betonte, es gehe darum, das Versprechen „Nie wieder Krieg“ zu erneuern. „Es braucht vor allem frische Ideen.“ EU, Demokratie, Freiheit: Die kostbarsten Ideen seien die zerbrechlichsten. Es sei ein Wunder, was die Mütter und Väter der europäischen Einigung erreicht hätten. „Es ist eine Verpflichtung, dieses Wunder zu erneuern und zu erhalten.“ Aus der Geschichte müsse gelernt werden, um neue Missverständnisse zu vermeiden. „Das war in Europa schon einmal einfacher“, so Steinmeier.

Kranzniederlegung in der Neuen Wache

Gemeinsam mit den Spitzen des deutschen Staates, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Daniel Günther, Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, legten beide Präsidenten anschließend Kränze an der Neuen Wache ab, der Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

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Das Gebäude wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel und Salomo Sachs als Wachgebäude für das gegenüberliegende Königliche Palais und Denkmal für die Befreiungskriege errichtet. Auf Anregung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl befindet sich im Innenraum der Neuen Wache seit 1993 eine Kopie der Skulptur „Mutter mit totem Sohn“ von Käthe Kollwitz. Vor der Skulptur ist der Schriftzug „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ in den Boden eingelassen.

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