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Wissen und Technik - 10.05.2019

Wenig Fortschritt bei KI-Professuren

Das Forschungsministerium will mindestens 100 Professuren für Künstliche Intelligenz schaffen. Doch konkrete Pläne gibt es nur für 20 bis 30 zusätzliche.

Illustration eines künstlichen Gehirns.

Wer Medikamente nimmt, muss bisher immer erst den Beipackzettel studieren. Geht es nach Jens Meiler, wird das künftig überflüssig: Der Bioinformatiker will Medikamente entwickeln, die so gut zum jeweiligen Menschen passen wie ein Maßanzug. Dafür nutzt der Bioinformatiker auch Algorithmen. Noch forscht Meiler an der Vanderbilt University im amerikanischen Nashville, künftig an der Uni Leipzig im Rahmen der Alexander von Humboldt- Professur, Deutschlands höchstdotiertem Forschungspreis mit fünf Millionen Euro, der in dieser Woche Meiler und acht weiteren Forscherinnen und Forschern in Berlin verliehen wurde.

Einen solchen „brain gain“ aus dem Ausland will die Regierung künftig speziell für den Bereich Künstliche Intelligenz (KI) vorantreiben – doch bisher geht es nur langsam voran. „Mindestens“ 100 KI-Professuren will das Forschungsministerium (BMBF) insgesamt im Rahmen der KI-Strategie neu schaffen, davon sollen 20 bis 30 quasi über eine KI-Sonderedition der Alexander von Humboldt-Professur bis 2024 eingerichtet werden. Zumindest darüber sind sich beide Seiten nun einig geworden, wie das Ministerium auf Anfrage des Tagesspiegels bestätigt. Doch gibt es bisher weder Angaben über die Ausstattung der Professur noch dazu, wer die Kandidatinnen und Kandidaten auswählt.


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Bei Konzernen kann man eine Million Euro im Jahr verdienen

Ein „attraktives Gesamtpaket“ müsse für die KI-Experten und ihre Familien geschnürt werden, um sie aus dem Ausland nach Deutschland zu locken, hatte Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei der Verabschiedung der KI-Strategie im vergangenen November gesagt. Wer Experte für die Technologie ist, kann bei Konzernen wie Facebook, Google oder Amazon durchaus eine Million Euro oder mehr pro Jahr verdienen, für die Familien gibt es oft ein Rundum-Sorglos-Paket etwa mit Privatschule dazu.

Werden den Spezialisten also die 180.000 Euro reichen, die sie sich im Rahmen des Stiftungsgelds jährlich für eine „persönliche Verwendung“ auszahlen dürfen? Können Forschungsbedingungen und kulturelle Aspekte die Abstriche beim Gehalt ausgleichen? Wie viel sollten die gastgebenden Universitäten noch einmal drauflegen, um ein „attraktiveres Gesamtpaket“ bieten zu können? Auch darüber müssen sich BMBF und die Humboldt-Stiftung Gedanken machen, wenn sie nun ihr Konzept für die „Alexander von Humboldt-Professur für Künstliche Intelligenz“ (AHP-KI) finalisieren. Bis Sommer soll es fertig sein, Ende 2019 dann die ersten Ausschreibungen laufen, zur nächsten Verleihung des Preises dann die ersten KI-Humboldt-Professuren vergeben werden.

Schon jetzt haben Unis Probleme, ihre KI-Lehrstühle zu besetzen

Was aber ist mit den 70 bis 80 KI-Professuren, die von den 100 anvisierten Professuren dann immer noch offen sind? Wer wird sie auswählen, wie werden sie finanziell ausgestattet, wo werden sie verteilt, wann sollen sie ihre Arbeit aufnehmen? Auf all diese Fragen gibt es auf Anfrage des Tagesspiegels von Karliczeks Ministerium bisher keine Antwort.

Bereits jetzt haben Universitäten Probleme, ihre KI-Lehrstühle zu besetzen – gerade weil die Konkurrenz aus der Privatwirtschaft so groß ist. Für die Forscherinnen und Forscher ist dort nicht nur das Gehalt attraktiv, sondern auch die Daten, die sie zur Verfügung haben.

So ging der Turing-Preis, quasi der Nobelpreis der Informatiker, gerade erst unter anderem an Yann LeCun, Facebooks Chefwissenschaftler für Künstliche Intelligenz. Wenn Experten wie LeCun aber für Konzerne wie das soziale Netzwerk arbeiten, profitieren in erster Linie die Firmen – und nicht die Öffentlichkeit. Auch deshalb arbeitet das Ministerium daran, den Austausch zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und der Privatwirtschaft zu erleichtern. Wer am Ende der größere Gewinner ist, wird sich zeigen.

Aus den USA zurück nach Leipzig

Bioinformatiker Jens Meiler geht tatsächlich nicht nur wegen der Forschungsbedingungen, sondern auch aus familiären Gründen zurück nach Deutschland, wie er in einem Videobeitrag der Humboldt-Stiftung erzählt. Seine Frau kommt aus Leipzig, er selbst hat an der Uni Leipzig Chemie studiert und kehrt damit nun quasi zu seinen Forscherwurzeln zurück. Mitbringen aus den USA will er nicht nur seinen Cowboyhut, sondern auch die „Risk Taker“-Mentalität, also lieber mal Dinge auszuprobieren, als immer nur das Risiko zu sehen.

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