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Wissen und Technik - 15.06.2019

Neue Spuren auf der Himmelsscheibe von Nebra entdeckt

Den verloren gegangenen zweiten Sichelring auf der der ältesten astronomischen Darstellung der Welt hat es tatsächlich gegeben. Darauf deuten Goldspuren hin.

Auf der Himmelsscheibe von Nebra, der ältesten astronomischen Darstellung der Welt, haben Forscher bei mikroskopischen…

Sie diente den Menschen der Kultur von Aunjetitz im heutigen Sachsen-Anhalt sowohl als Kalender als auch als Kultobjekt. Das Gold, aus dem die Sterne, Mond und Sonne und die sichelförmigen Symbole vor etwa 3600 Jahren gefertigt wurden, stammte von weit her, aus Cornwall im heutigen Großbritannien. Nun sind auf der Himmelsscheibe von Nebra, die 1999 von Raubgräbern zusammen mit anderen Kultobjekten aus der Bronzezeit auf der Spitze des Mittelbergs in Sachsen-Anhalt ausgegraben wurde, weitere, bislang unbekannte Goldspuren entdeckt worden.

Digitale Mikroskoptechnik macht Goldpartikel sichtbar

Mit Hilfe eines Digitalmikroskops wurden einige Tausendstel Millimeter (Mikrometer) kleine Goldpartikel am linken Rand der bronzenen Scheibe gefunden – eben dort, wo Forscher schon seit langem vermuten, dass sich einst ein zweiter sichelförmiger Horizontbogen befand, der irgendwann entfernt wurde oder verloren ging.

Mit Hilfe eines Digitalmikroskops haben Experten, darunter Heiko Breuer vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie…

„Insgesamt sind auf der Himmelsscheibe 80 Goldpartikel in der Größenordnung von 30 Mikrometer nachweisbar“, sagt Christian-Heinrich Wunderlich, der die Restaurierungswerkstatt des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle leitet, wo der Fund von Nebra seit 2002 aufbewahrt und erforscht wird. Die Goldpartikel seien mal oval, mal kreisrund oder länglich angeordnet und bekräftigen die These, dass dort ein Goldsichel angebracht war, wie sie auf der rechten Seite der Scheibe noch immer zu sehen ist.

Möglich gemacht habe das „die rasante Entwicklung der Technik“, sagte der Landesarchäologe Harald Meller, der die Scheibe 2002 in Kooperation mit der Schweizer Polizei für die Öffentlichkeit sicherstellte. „Das Gold wurde aufgrund der farbigen Wiedergabe eines hochauflösenden Digitalmikroskops lokalisiert.“

Auf elektronenmikroskopischen Aufnahmen, die keine farbliche Unterscheidung zulassen, war das Gold nicht eindeutig zu erkennen gewesen. Metallurgische Untersuchungen im Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim, mit denen die Herkunft des Goldes bestimmt werden kann, deuten auf Cornwall hin – von dort stammt auch das Gold des noch vorhandenen Horizontbogens. „Die Parameter stimmen mit dem zweiten noch vorhandenen weitgehend überein“, sagt der Archäometrie-Experte Ernst Pernicka. (mit dpa)

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