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Wissen und Technik - 22.05.2019

Maximale Freiheit für das BIG

Das Institut kann Großes erreichen, wenn es in der Charité autonom handelt. Ein Gastbeitrag von Albert Rupprecht (CSU).

Albert Rupprecht (CSU).

In kaum einem Bereich hat die Wissenschaft einen so elementaren Einfluss auf unser Leben, wie es bei der Gesundheit der Fall ist. Wissenschaftlicher Fortschritt kann aber nur dann helfen, wenn er auch am Patientenbett ankommt. Und der Zeitfaktor kann dabei über Leben und Tod entscheiden. Ebenso die Qualität, die in der Gesundheitsversorgung höchsten Ansprüchen genügen muss. Deswegen treibt uns als Unionsfraktion die Frage um, wie der Transfer von Wissen in die Anwendung, in der Medizin wird von Translation gesprochen, noch besser gelingen kann. Mit dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung, dem BIG, wird wahrhaft Großes verbunden: ein international sichtbarer Leuchtturm für Translation. Unser Anspruch ist es, ein Strukturmodell zu schaffen, das beispielhaft für die Verbindung von Forschung und Klinik auf Spitzenniveau steht. Um dieses Ziel tatsächlich erreichen zu können, waren in den letzten Monaten wegweisende Fragen zu klären, die wir als Parlamentarier in zahlreichen Gesprächen immer wieder aufgeworfen und zu einer tragfähigen Lösung vorangetrieben haben. Wohin wollen wir mit dem BIG? Was ist die internationale Benchmark? Wie kann Translation im BIG besser organisiert werden als bei anderen Forschungseinrichtungen? Was muss an der bisherigen Strategie verändert werden und welche Struktur ist förderlich?

Berlin wird noch anziehender

Gemeinsam mit Bund und Land konnte eine Neustrukturierung des BIG erarbeitet und vereinbart werden. Diese ermöglicht künftig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von grundlagen-, krankheits- und patientenorientierter Forschung sowie der klinischen Anwendung. Berlin wird somit weitere Anziehungskraft für die weltweit besten Köpfe entwickeln. Das BIG erhält eine strukturbildende Dimension, ist also ein Modellvorhaben für eine Kooperation nach Artikel 91b Grundgesetz, was eine dauerhafte Zusammenarbeit von Bund und Land von überregionaler Bedeutung beschreibt.

Die neue Struktur, die eine Integration des BIG in die Charité vorsieht, muss derart gestaltet werden, dass das BIG maximal frei agieren kann. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen zwingend erfüllt sein. Dazu zählt eine dynamische Innovationskultur, die auch auf die Charité impulsgebend wirkt. Das BIG muss von überbordender Bürokratie und trägen Verwaltungsprozessen freigehalten werden und flexibel auf die Charité-Infrastruktur zugreifen können. Das BIG setzt sich selber ehrgeizige, operationalisierbare und überprüfbare Ziele für translationale Forschung auf Spitzenniveau und genießt umfassende Entscheidungsautonomie, auch über das eigene Budget.

Es muss transparent zugehen

Eine wichtige Aufgabe für das BIG wird es sein, für Translationsvorhaben die besten Partner zusammenzubringen, unabhängig davon, ob es sich um externe Partner oder Partner aus anderen Charité-Bereichen handelt. Leitbild für diese Vernetzung ist allein die Exzellenz. Das BIG entscheidet über die Zusammenstellung der Teams und die Projektvergabe autonom. Die Auswahlverfahren sind vollkommen transparent zu gestalten.

Eine international beachtete Spitzenstellung wird das BIG nur einnehmen können, wenn eine thematische Fokussierung erfolgt. Auch dafür muss das BIG einen eigenen Weg finden und strategische Forschungsprogramme unabhängig von den Zuwendungsgebern Bundesforschungsministerium und Land Berlin entwickeln können.

Daten sind ein Schatz für die Gesundheitsforschung

Innovationen in der Medizin sind zunehmend an die Verfügbarkeit von Patientendaten gebunden. Es schlummern noch zu viele wertvolle Daten einen Dornröschenschlaf. Dabei könnten die darin enthaltenen Informationen den Behandlungserfolg entscheidend beeinflussen. Diesen Schatz für die Gesundheitsforschung und letztlich zum Wohl des Patienten zu heben, ist eine große Aufgabe, die dringend angepackt werden muss. Dazu gehört auch, dass das Landesdatenschutzrecht forschungsfreundlich weiterzuentwickeln und gleichlautend durch die Landesdatenschutzbeauftragten angewendet wird. Hier kommt es auch auf das Land Berlin an, um dem BIG den notwendigen Freiraum zu schaffen.

Das neue Fundament für eine translationale Forschung auf weltweitem Spitzenniveau ist jetzt gelegt. Der Bund unterstützt das Vorhaben mit jährlich rund 75 Millionen Euro. Wir werden auch im Interesse der Patienten weiterhin genau hinschauen, ob die Integrationslösung das Potential des BIG tatsächlich entfalten kann.

Und wir werden prüfen, ob das BIG als grundsätzliches Translationsmodell überzeugt und für andere Standorte mit Universitätsklinik in Deutschland empfohlen werden kann.

Der Autor ist CSU-Abgeordneter im Bundestag und dort forschungs- und bildungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion.

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