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Wissen und Technik - 30.01.2019

Linkenfraktion fordert Aufarbeitung des Kolonialismus

Ein stärkeres Engagement der Bundesregierung bei der Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit fordert die Fraktion der Linken im Bundestag.

Anlässlich der Rückgabe von Schädeln und Gebeinen nach Namibia fand im August 2018 eine kirchliche Gedenkfeier in Berlin statt.

Die Linken-Fraktion im Bundestag fordert eine umfassende Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit in Deutschland und mahnt dabei ein stärkeres Engagement der Bundesregierung an. Dass Kolonialverbrechen wie der Völkermord an den Herero und Nama überhaupt gesellschaftlich thematisiert wurden, sei bislang zivilgesellschaftlichen Initiativen und Verbänden der schwarzen Community in Deutschland zu verdanken, heißt es in der Vorbemerkung zu einer Anfrage der Linken-Abgeordneten Brigitte Freihold und anderer (zur gesamten Kleinen Anfrage geht es hier). Der Bundesregierung aber fehle für die Aufarbeitung der Kolonialzeit in der schulischen und politischen Bildung ein eigenes Konzept.

In ihrer Antwort nennt die Bundesregierung Publikationen der Bundeszentrale für politische Bildung zu Themen wie „Postkolonialismus und Globalgeschichte“. Konkret nach Maßnahmen zur Aufarbeitung gefragt, wird auf Ausstellungen bundesgeförderter Museen wie im Deutschen Historischen Museum verwiesen. Insbesondere das Berliner Humboldt-Forum, das 2019 teilweise eröffnen soll, „betrachtet es als wichtige Aufgabe, die deutsche Kolonialgeschichte stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen“, heißt es.

Kritik an fehlender Dokumentation der Kolonialverbrechen

Genannt wird die geplante Zusammenarbeit mit Partnern aus Ländern wie Namibia und Tansania, um die Herkunft von Sammlungsobjekten zu klären. Eine aktive Schwerpunktsetzung für koloniale Aufarbeitung in Lehrplänen von Schulen und Hochschulen lehnt der Bund mit Verweis auf die Kulturhoheit der Länder jedoch ab.

Kritik übt die Linke auch an fehlender Dokumentation von Kolonialverbrechen. So ist der Bundesregierung weder bekannt, wie viele Menschen aus den einstigen Kolonien für kriegsrelevante Einsätze rekrutiert wurden, noch wie viele Personen für koloniale Gewaltverbrechen angezeigt oder verurteilt wurden.

Fortschritte sieht die Bundesregierung bei der Provenienzforschung: So konnte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2018 sechs zusätzliche Stellen schaffen und das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste soll ab diesem Jahr die Aufarbeiten der kolonialen Provenienzen in weiteren öffentlichen Sammlungen fördern. Brigitte Freihold, die erinnerungspolitische Expertin der Linkenfraktion, fordert aber eine einheitliche, bundesweite Katalogisierung von Provenienzen. Dies wäre dringend notwendig, „um Restitutionen endlich voranzubringen und zu erleichtern“.

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