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Politik - 4 Wochen ago

Tod von Journalist Khashoggi: Erdogan spricht von „Mordkomplott“

Erdogan forderte Aufklärung von saudischer Seite.


Der türkische Präsident Erdogan ist sich sicher: Der Journalist Khashoggi wurde im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet. Dafür habe die Türkei entsprechende Beweise. Er spricht von einem „Mordkomplott“, das von langer Hand geplant gewesen sei.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat im Fall Jamal Khashoggi von einem "Mordkomplott" gesprochen und von Saudi-Arabien Aufklärung gefordert. Die Türkei habe "starke Beweise" für die "brutale" Ermordung, sagte er während einer Fraktionssitzung seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Ankara.

Bei der Rede am Eröffnungstag einer wichtigen Investorenkonferenz in Riad, der viele Politiker und Unternehmer wegen des Falls Khashoggi fern blieben, gab Erdogan aber wider Erwarten keine bahnbrechend neuen Details preis. Er hatte die mit Spannung erwartete Rede am Sonntag selbst angekündigt und gesagt, er werde "ins Detail" gehen.

Die Türkei erwarte von Saudi-Arabien, alle Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Erdogan. Er forderte zudem, dass die direkt Verantwortlichen für den Tod Khashoggis in der Türkei vor Gericht gestellt werden. Die 18 festgenommenen Saudis müssten in Istanbul angeklagt werden, sagte er. "So einen Fall einigen Sicherheits- und Geheimdienstmitgliedern anzulasten, würde weder uns noch die internationale Gemeinschaft zufriedenstellen." Er zweifle aber nicht an der Aufrichtigkeit von König Salman. Den Kronprinzen, der verdächtigt wird, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, erwähnte Erdogan nicht.

Erdogan: Wer war der Auftraggeber?

Erdogan lieferte zunächst eine teils minuziöse Darstellung der Tat aus türkischer Sicht, ab der Minute, in der Khashoggi das Konsulat am 2. Oktober betrat. Demnach sollen bereits am Tag vor dem Verschwinden des Mannes mehrere Männer aus Saudi-Arabien angereist sein. Erdogan sprach von "drei Teams". Eines habe vor dem Mord im Belgrader Wald und im Bezirk Yalova außerhalb Istanbuls "Nachforschungen angestellt" – zu welchem Zweck ließ er offen.

Am Tag des Mordes seien die Täter dann zwischen 9.50 Uhr und 11.00 Uhr Ortszeit unabhängig voneinander ins Konsulat gekommen, um sich dort zu treffen. Es seien aber noch viele Fragen offen, räumte der Präsident ein. "Wieso haben sich diese 15 Personen, die alle mit dem Fall im Zusammenhang stehen, am Tag des Mordes in Istanbul versammelt?", fragte er zum Beispiel. "Wieso wurden zahlreiche widersprüchliche Erklärungen abgegeben, obwohl der Mord Tatsache ist?" Und: Warum sei die Leiche noch nicht gefunden worden?

Zuvor hatten die türkischen Behörden lange gar keine Stellungnahme zum offiziellen Stand der Ermittlungen abgegeben, aber dafür anonym Informationen an türkische und US-Medien weitergegeben. Woher die Informationen stammten, blieb unklar. In den vergangenen Tagen waren die Details zunehmend grausiger geworden. Türkische Ermittler gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Kommando im Konsulat gefoltert, ermordet und zerstückelt wurde.

USA sorgen sich um Beziehung zu Riad

Am Wochenende gab das Königreich dann die Tötung Khashoggis zu, stellte sie aber als Folge einer spontanen Schlägerei dar. Wo sich Khashoggis Leiche befindet, wisse die Führung in Riad nicht, sagte Außenminister Adel al-Dschubair. Das Sicherheitsteam vor Ort habe eigenmächtig gehandelt und dann versucht, die Tötung zu vertuschen. Gleichzeitig fallen die Konsequenzen für Saudi-Arabien immer schärfer aus. Vor einer hochkarätigen Investorenkonferenz, die am Dienstag in Saudi-Arabien begann, hatten viele Regierungsvertreter, Investoren und Unternehmer ihre Teilnahme abgesagt. Am Montag hatte die Bundesregierung den saudischen Botschafter zu einem "zeitnahen" Gespräch gebeten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor weitere Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien vorerst ausgeschlossen. Auch in der EU wurde über mögliche Auswirkungen auf die Beziehungen zu Riad beraten.

Besonders schwerwiegend für die USA dürfte die zunehmende Ungeduld von US-Präsident Donald Trump sein. Der hatte in der Nacht auf Montag gesagt, er halte die offizielle Erklärung Saudi-Arabiens nach wie vor für unzureichend. Der Zeitung "USA Today" sagte er, der Kronprinz habe ihm versichert, dass weder er noch König Salman in die Sache verwickelt seien. Sollte sich das Gegenteil herausstellen, "wäre ich sehr verärgert darüber". Nach einem Bericht der "Washington Post" macht sich die US-Regierung Sorgen, dass Erdogans Enthüllungen den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman als engen Verbündeten der Regierung Trumps schwer belasten könnten. Dem Bericht zufolge sollte auch die Chefin der CIA, Gina Haspel, am Dienstag in der Türkei ankommen.

Khashoggi hatte das Konsulat am 2. Oktober betreten, um Papiere für seine Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen, und war nicht mehr herausgekommen.

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