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Politik - 22.10.2018

Tod im saudischen Konsulat: Doppelgänger trug Khashoggis Kleidung

Die Bilder aus einer Überwachungskamera zeigen Jamal Khashoggi vorm Betreten des saudischen Konsulats.


Der Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi ist längst noch nicht aufgeklärt. Nun sollen Bilder von Überwachungskameras ein weiteres perfides Detail offenbaren: Ein Mann verlässt in der Kleidung des Opfers das saudische Konsulat.

Ein Mitglied des 15-köpfigen mutmaßlichen Killerkommandos, das den Journalisten Jamal Khashoggi ermordet haben soll, hat das saudische Konsulat in Istanbul offenbar in der Kleidung des Opfers verlassen. Verschiedene Überwachungskameras filmten den Mann und zeigten ihn beim Betreten des Konsulats in anderer Kleidung als beim Verlassen durch einen Hinterausgang. Das berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf einen türkischen Offiziellen.

Demnach trug der Mann namens Mustafa Al Madani, der eine ähnliche Statur wie Khashoggi hat, vorübergehend einen angeklebten Bart, Brillengläser und die Kleidung des getöteten Journalisten. Zusammen mit einem anderen Beteiligten fuhr er nach dem mutmaßlichen Mord in einem Taxi zu einer Touristenattraktion in Istanbul. Auf einer öffentlichen Toilette zog er sich dem CNN-Bericht zufolge wieder um.

Die türkische Presse zog in dem Fall eine direkte Verbindung zum saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Die Zeitung "Yeni Safak" berichtete, der Leiter des zur Beseitigung von Khashoggi entsandten saudi-arabischen Kommandos habe von Istanbul aus vier Mal mit bin Salmans Büroleiter, Bader al-Asaker, telefoniert. Mindestens ein Anruf sei vom Büro des Konsuls in Istanbul erfolgt.

Beteiligter rief Bruder des Kronprinzen an

Saudi-Arabien hatte am Samstag erklärt, dass Khashoggi am 2. Oktober während eines Besuchs im Konsulat seines Landes bei einer "Schlägerei" getötet worden sei. Weltweit trifft diese Darstellung auf erhebliche Skepsis, da das Königreich zuvor mehr als zwei Wochen behauptet hatte, Khashoggi habe das Konsulat lebend verlassen. In diese Lesart würde auch der augenscheinliche Doppelgänger passen, über den CNN berichtete.

Fünf Zeugen wurden am Montag von mehreren Staatsanwälten in Istanbul verhört, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Dabei handele es sich um Konsulatsmitarbeiter. Mehr als 20 weitere Zeugen, darunter Türken und Ausländer, würden im Laufe des Tages noch befragt.

Im Zentrum der türkischen Ermittlungen stehen 15 Saudis, die nach Istanbul geschickt worden sein sollen, um Khashoggi zu töten. Laut "Yeni Safak" standen sie unter dem Kommando von Maher Abdulasis Mutreb, der den Kronprinzen als Leibwächter wiederholt auf Auslandsreisen begleitete. Demnach rief Mutreb neben al-Asaker auch eine US-Nummer an, die bin Salmans Bruder Chaled bin Salman gehören könne, der Botschafter in Washington ist.

Erdogan will "nackte Wahrheit" enthüllen

Saudi-Arabien ist seit Tagen bemüht, den Kronprinzen von dem Fall abzuschirmen. Außenminister Adel al-Dschubeir betonte am Sonntag, die Verantwortlichen für den "Mord" an Khashoggi würden bestraft. Zugleich versicherte er aber, es habe sich um eine "nicht-autorisierte Operation" gehandelt, über die der Kronprinz "nicht informiert" gewesen sei. Wo sich die Leiche befinde, wisse er nicht, sagte al-Dschubeir.

Der einflussreiche türkische Kolumnist Abdulkadir Selvi schrieb jedoch in der Zeitung "Hürriyet". "Solange der Kronprinz nicht zur Verantwortung gezogen und von seinem Posten abgelöst wird, dürfen wir dieses Dossier nicht schließen". Demnach wurde Khashoggi nach Betreten des Konsulats direkt in das Büro des Konsuls geführt, wo er "erwürgt" worden sei. Anschließend hätte ein Gerichtsmediziner aus dem Team seine Leiche "in 15 Teile zerteilt".

Laut Selvi wurden die Leichenteile aus dem Konsulat geschafft und an einem unbekannten Ort in Istanbul versteckt. Die türkischen Ermittler haben nach einer Durchsuchung des Konsulats und der Residenz des Konsuls die Suche inzwischen auf einen Wald im Norden von Istanbul ausgeweitet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, am Dienstagvormittag "die nackte Wahrheit" zu dem Fall zu enthüllen.

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