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Kultur - 22.01.2019

TV-Tipp: Wahre Geschichte

Historische Ereignisse gelten gemeinhin als hinreichend erforscht und bewertet. Eine neue Dokumentationsreihe zeigt, wie sich unser Bild der Vergangenheit verändert.

Lastwagen transportieren hunderte von Milchkannen zum Münchner Milchhof. Foto: dpa

Geschichte ohne Verklärung oder gar Verfälschung zu erklären, wird in den Zeiten von Fake News nicht gerade einfacher. Im Laufe der Zeit ändern sich außerdem die Perspektiven.

Mit dem Untertitel «Geschehen, neu gesehen» kommt eine neue Doku-Reihe ins TV-Programm: «Wahre Geschichte» auf Arte. Sie beginnt am Dienstag (22. Januar/20.15 Uhr) mit zwei Folgen und wird eine Woche später mit zwei weiteren Ausgaben fortgesetzt (29. Januar/20.15 Uhr).

Im ersten Film zeigt Autorin Christiane Ratiney den Diktatoren Adolf Hitler während des Zweiten Weltkrieges als Militär. Aber keineswegs als den «Größten Feldherr aller Zeiten», als der Hitler sich gern in der Nazi-Propaganda hat feiern lassen. Denn anders als von vielen angenommen, stammt der Plan für die Offensive der deutschen Wehrmacht gegen Frankreich 1940 gar nicht vom «Führer».

Immer wieder unterschätzte Hitler zudem die Schlagkraft der Roten Armee und der Alliierten; er beherrschte Strategie und Taktik der Kriegsführung nur ausgesprochen mangelhaft. Wie die Doku nachvollzieht, trickste und täuschte er gekonnt, weil er glaubte, auf diese Art erfolg- und siegreich zu sein. Hitlers Hochmut, gepaart mit Dilettantismus und verhängnisvoller Ideologie, ließen ihn blind werden gegenüber der Realität, und er erwies sich zunehmend als ein irrlichternder Amateurstratege, wie Ratiney schildert. Da halfen auch «Wochenschau»-Berichte in Farbfilm nichts, die Hitler fast privat mit seinem Schäferhund auf dem Obersalzberg zeigen.

Der zweite Beitrag (Regie: Bernard George) handelt vom Marshallplan (1948-52), den der damalige US-Präsident Harry Truman durch seinen Außenminister George C. Marshall aufsetzen ließ. Der Film greift die vorherrschende These auf, dass dieser Plan Europa nach dem Krieg aus Chaos und Elend befreit habe. Dabei war der Marshallplan keineswegs ein selbstloser Akt, sondern beruhte vielmehr auf einer klar kalkulierten politischen Strategie. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges erwies sich dieser intelligent ausgetüftelte Plan als passende Unterstützung zu Trumans Politik der Eindämmung des Kommunismus und der Schwächung der Sowjetunion. Die Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft war – so gesehen – weniger ein Mythos als vielmehr ein Erfolg, wie Bernard Georges Film darstellt.

Die beiden weiteren Folgen behandeln die Themen «Hiroshima. Stalins Niederlage» vom 6. August 1945 (Regie: Cédric Condon) und «Mao. Vermeintlicher Vater des modernen China» ab dem 1. Oktober 1949 (Regie: Philippe Saada). Die Filme kommen ohne jegliche Kommentare von Historikern oder Wissenschaftlern aus und sind wohltuend sachlich erzählt. Hier findet keine Geschichtsklitterung, Legendenbildung oder Heroisierung von Personen statt. Selbst bekannte Details werden anders beleuchtet oder in einen neuen Kontext gesetzt.

Auch die Erforschung von Geschichte macht nicht nur große Fortschritte, sondern oft tauchen Dokumente auf, die ein ganz anderes Bild von vergangenen Ereignissen zeigen, so dass sich viele neue Facetten ergeben. So können Geschehnisse, die als hinlänglich bekannt gelten, in einem anderen Licht erscheinen und überkommene Vorstellungen über Bord geworfen werden. Das ist bei den hier vorliegenden Folgen nicht durchweg gelungen, aber dennoch sehenswert.

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