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Gesundheit - 13.06.2019

Reflux: Was hilft gegen Sodbrennen – Symptome und Ursachen bei Aufstoßen

Sodbrennen: Mit einigen Hausmitteln lässt sich das schmerzhafte Aufstoßen lindern und verhindern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sodbrennen – Viele Deutsche leiden unter der Volkskrankheit. Das Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre verursacht brennende Schmerzen hinter dem Brustbein und saures Aufstoßen. Wir informieren über die Ursachen und verraten

Überblick

Sodbrennen: Was ist das?

Sodbrennen ist streng genommen keine Krankheit, sondern ein Symptom. Es zählt zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Sodbrennen entsteht, wenn die in den Belegzellen der Magenschleimhaut gebildete Magensäure durch den Magenmund (Cardia) zurück in die Speiseröhre steigt. Dieser Rückfluss, auch Reflux genannt, greift dort die empfindliche Schleimhaut an und verursacht Schmerzen. Meist lassen sich die Beschwerden schon durch einfache Hausmittel, wie eine Tasse Tee, lindern. 

Symptome: Daran erkennen Sie Sodbrennen

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Sodbrennen äußert sich auch durch Druck im Brustraum.

Behandlung: Was tun bei Sodbrennen?

Die Behandlung von Sodbrennen richtet sich nach der Ursache, der Häufigkeit und dem Ausmaß der Beschwerden. Bei Betroffenen, die gelegentlich Probleme haben, genügt es oft schon, wenn sie Hausmittel oder säurebindende Medikamente nehmen. Personen, die häufig unter Reflux leiden, sollten nach spätestens vier Wochen zum Arzt. Wenn nötig, werden Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm gespiegelt. Sobald klar ist, woher der Reflux kommt, wird entsprechend behandelt: 

Kaugummi regt die Speichelproduktion an und kann bei Sodbrennen helfen. (Quelle: nyul/Thinkstock by Getty-Images)

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Hausmittel: Tipps zur Linderung von Sodbrennen

Hilft Milch gegen Sodbrennen?

Lange galt Milch als Hausmittel Nummer eins bei Sodbrennen. Sie soll den Magensaft verdünnen und neutralisieren. Die Wirkung ist jedoch umstritten. So konnten koreanische Forscher in einer Studie mit 400 Patienten zeigen, dass Milch bei Sodbrennen nicht die beste Wahl ist.

Da Milch und Milchprodukte einen leicht sauren pH-Wert haben, können sie das Sodbrennen bei empfindlichen Menschen sogar noch verstärken. Besonders Kuhmilch mit einem hohem Fettgehalt erhöht den Säurewert im Magen zusätzlich. Das liegt auch daran, dass die Verdauung von Fetten länger dauert und daher zur erhöhten Produktion von Magensäure führt. 

Besonders schlecht bei Sodbrennen scheint Joghurt zu sein, dessen Wirkung auf den Magen ähnlich wie die von Zitrusfrüchten sein soll. Fettarme Milch und Sojamilch schnitten geringfügig besser ab. Ähnliche Ergebnisse wie in Korea hatte bereits in den 1990er Jahren eine Studie der medizinischen Fakultät der University of Texas mit knapp 400 Probanden ergeben.

Menschen, die unter eine Laktoseintoleranz leiden, sollten ohnehin auf Milch als Hausmittel bei Sodbrennen verzichten. Auch laktosefreie Milch kann Sodbrennen begünstigen, da die Ursache für die erhöhte Magensäureproduktion im Milchfett und nicht im Milchzucker liegt. Fazit: Ein Glas Wasser ist das bessere Mittel, um den Magensaft zu verdünnen. 

Medikamente: Vorsicht mit Säureblockern

Beschwerden durch Sodbrennen und Reizungen der empfindlichen Speiseröhre können kurzfristig durch säurebindende Arzneien behoben werden. Antacida bestehen aus einer Verbindung von Aluminium, Calcium und Magnesium. Die meist in Tablettenform verabreichten Medikamente neutralisieren die Magensäure oder hemmen die überschüssige Säurebildung im Magen.

Viele der Mittel, die bei Sodbrennen verordnet werden, sind auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Daher neigen Menschen mit Beschwerden oft dazu, diese auch über längere Zeiträume und in unkontrollierten Mengen einzunehmen. Dr. Martin Adler, Facharzt für Allgemeinmedizin und Pflanzenheilkunde aus Siegen, rät hier zu Vorsicht. Säureblocker sollte man generell nicht dauerhaft einnehmen, warnt Adler. Häufig würden sie sogar das Gegenteil bewirken und es komme zu einer verstärkten Säureproduktion im Magen. Eine längerfristige Einnahme kann besonders bei älteren Menschen zu einer Zunahme an Knochenbrüchen führen und im Magen-Darm-Trakt schweren Durchfall auslösen.

Sodbrennen kann mit Säureblockern behandelt werden. Eine längerfristige Einnahme kann aber auch schweren Durchfall auslösen.

Ursachen: Wie kommt es zum Reflux?

Zwischen Speiseröhre und Magen sorgt ein Schließmuskel dafür, dass das Essen zwar von oben nach unten durchrutscht, aber nicht wieder zurückfließen kann. Wenn dieses Ventil nicht richtig schließt, kann der saure Mageninhalt in die empfindliche Speiseröhre gelangen und die schmerzhaften Symptome verursachen. Dieser Schließmuskel kann im Laufe des Lebens verschleißen.

Aber nicht nur der altersbedingte Verschleiß ist eine mögliche Ursache von Sodbrennen – auch Übergewicht und Schwangerschaft begünstigen den schmerzhaften Rückfluss, wenn die Enge im Bauchraum den Mageninhalt wieder nach oben zurückdrückt. In der Schwangerschaft kommen außerdem hormonelle Veränderungen hinzu, die den Schließmuskel der Speiseröhre erschlaffen lassen und so den Rückfluss der Magensäure begünstigen. 

Ebenso spielt die Ernährung eine große Rolle. Eilige Mahlzeiten zwischen Tür und Angel sowie zu viel Alkohol und Nikotin sind typische Auslöser für Sodbrennen. Aber auch fette, stark gewürzte oder gebratene Speisen fördern den Rückfluss von Speisebrei. Sowohl sehr süße als auch saure Lebensmittel kurbeln die Produktion der Magensäure an und sind deshalb für empfindliche Menschen nicht ratsam. Der übermäßige Konsum von sogenannten „Säurelockern“, wie Fruchtsäfte, Softdrinks, Kaffee oder Schwarztee, kann ebenfalls Ursache für das undichte „Ventil“ sein.

Auch Stress kann Sodbrennen auslösen, da sich der Magen verkrampft und die Produktion von Magensäure ansteigt. Zudem erschlafft in Stresssituationen der Schließmuskel, sodass das Aufsteigen von Säure in die Speiseröhre erleichtert wird. 

Auf der anderen Seite stehen organische Ursachen, die von angeborenen Defekten, wie Muskelschwäche, über Erkrankungen, wie ein Reizmagen oder eine Entzündung der Speiseröhre, bis zu anatomischen Störungen reichen. Häufigster organischer Auslöser ist der Zwerchfellbruch: Der Übergang von der Speiseröhre zum Magen verläuft durchs Zwerchfell. Wenn die Durchtrittsstelle erweitert ist, spricht man von einem Bruch. Ein Zwerchfellbruch entsteht zum Beispiel durch Übergewicht und kann dazu führen, dass die Cardia sich öffnet und Mageninhalt nach oben fließt.

Refluxkrankheit: Folgen von Sodbrennen

Gelegentliches Sodbrennen ist in der Regel harmlos. Ständiges Sodbrennen über einen längeren Zeitraum sollten Sie dagegen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Treten die Beschwerden mehrmals pro Woche auf, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Während der Magen eine schützende Schicht gegen die aggressive Salzsäure hat, ist die Speiseröhre ihr ausgeliefert. Eine dauerhafte Refluxkrankheit kann daher zu einer schweren Entzündung der Speiseröhre und sogar zu Speiseröhrenkrebs führen. Mediziner sprechen dabei von der Refluxösophagitis. 

Typische Symptome einer Refluxerkrankung sind Schmerzen im Oberbauch, Sodbrennen und Schluckbeschwerden. „Die meisten Patienten denken bei Schmerzen in der Brust verständlicherweise nicht sofort an die Speiseröhre. Untersuchungen zeigen dann, dass die Schmerzen nicht vom Herz oder der Lunge kommen. In Wirklichkeit sind es Refluxbeschwerden“, erklärt Professor Siegbert Rossol, Magen-Darm- und Leber-Spezialist des Nordwest-Klinikums in Frankfurt/Main. 

Spezialisten unterscheiden bei der Refluxkrankheit zwei Phasen:

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Vorbeugung: Effektive Tipps gegen Sodbrennen

  • Langsam essen und gründlich kauen: So gelangt genug Speichel in den Speisebrei. In ihm befinden sich Enzyme, die für die Spaltung der Nahrung in ihre Bestandteile entscheidend sind.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag essen: Große Portionen belasten den Magen. Außerdem wird so der Druck auf den Muskel, der die Speiseröhre abdichtet, reduziert und der Rückfluss von saurem Mageninhalt erschwert. 
  • Nicht zu spät am Abend essen: Die letzte Mahlzeit sollte drei bis vier Stunden vor dem Schlafen gegessen werden. Wenn es ein Festessen gibt, dann am besten mittags. 
  • Nach dem Essen tut Bewegung gut: Statt sich hinzulegen, sollten Sie lieber einen Verdauungsspaziergang machen. 
  • Säurelocker reduzieren: Hierzu zählen koffein- und kohlensäurehaltige Getränke. Sehr fettige, süße, saure, scharfe und stark gewürzte Speisen sollten Sie ebenso vermeiden.
  • Auf Alkohol verzichten: Alkohol regt die Produktion von Säure im Magen an und zählt damit zu den Säurelockern. Zudem lässt Alkohol auch den Muskel zwischen Speiseröhre und Magen erschlaffen, der wie ein Ventil das Hochsteigen von Magensäure verhindern soll. 
  • Keine Zigarette nach dem Essen: Wer zu Sodbrennen neigt, sollte auf die Zigarette nach dem Essen verzichten. Nikotin regt die Säureproduktion an und schwächt die Muskulatur der Speiseröhre, die den Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre verhindern soll.
  • Nachts den Oberkörper hochlagern: Bei nächtlichen Beschwerden hilft es, den Oberkörper höher zu lagern, um den Rückfluss aus dem Magen zu verhindern.
  • Bequeme Kleidung: Zu enge Kleidung erhöht den Druck auf den Bauchraum und begünstigt den Reflux.
  • Stress vermeiden: Aufregung und Hektik schlagen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen. Mit Meditation und Yoga tun Sie nicht nur der Seele, sondern auch Ihrem Körper etwas Gutes.
  • Lebensmittel, die Sie meiden sollten

    Günstige Lebensmittel

    Rohkost gegartes Gemüse
    Produkte aus weißem Mehl Vollkornprodukte
    Kaffee und Energydrinks Hafer- oder Mandelmilch
    Tomaten Haferflocken
    fettes Fleisch oder Wurst mageres Fleisch
    Getränke mit Kohlensäure stilles Wasser
    Pfefferminztee, schwarzer und grüner Tee Kräutertees (Kamille, Kümmel, Fenchel)
    stark gewürzte, gesalzene oder scharfe Speisen Nüsse und Samen
    Fruchtsäfte und Limonaden Reis und Reiswaffeln
    saures Obst (Zitrusfrüchte) Kartoffeln

    Sodbrennen bei Kindern

    Übergewicht und ungesunde Ernährung können auch bei Kindern und Jugendlichen zu Sodbrennen führen. Etwa zwei bis zehn Prozent der Kinder in Deutschland sind regelmäßig von Sodbrennen betroffen. Klagt Ihr Kind häufiger über Schmerzen hinterm Brustbein, Heiserkeit und womöglich Schluckbeschwerden, sollten Sie unbedingt einen Kinderarzt aufsuchen. „Neben Brustschmerzen können ein bitterer Geschmack im Mund, Heiserkeit, Schwierigkeiten beim Schlucken oder das Gefühl, dass das Essen im Hals stecken bleibt, oder auch ein trockener Husten Anzeichen dafür sein“, erläutert Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln.  

    „In der Regel reicht eine Umstellung der Ernährung und Lebensweise“, beruhigt Fegeler. Fettes und Gebratenes sollten vorläufig nicht mehr auf dem Speiseplan der Kinder stehen, ebenso wenig wie Zitrusfrüchte und -getränke, Tomaten, Chilischoten sowie schwarzer Pfeffer. Denn sie reizen die empfindliche Speiseröhre unnötig. Außerdem hilft es, wenn Sie darauf achten, dass die Kinder langsam essen und gut kauen. Kauen Kinder nach dem Essen einen Kaugummi, so stimuliert dies die Speichelproduktion, wodurch die Säure schneller neutralisiert wird. Ein Glas lauwarmes Wasser oder Kräutertee nach dem Essen hat einen ähnlichen Effekt. Helfen alle diese Maßnahmen nicht, sind eventuell Medikamente nötig.

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