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Gesundheit - 04.11.2018

Gefährliches West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus

Eine elektronenmikroskopische Aufnahme des West-Nil-Virus: Dieses Jahr hat das West-Nil-Fieber besonders viele Menschen in Europa krank gemacht oder getötet. (Quelle: Cynthia Goldsmith/Centers for Disease Control/EPA/dpa)

Lange brachten nur Fernreisende die West-Nil-Viren nach Europa, inzwischen hat der Erreger den Sprung nach Südeuropa geschafft. Nun ist er auch in Deutschland angekommen – in Vögeln.

In diesem Jahr hat das West-Nil-Fieber besonders viele Menschen in Europa krank gemacht oder getötet. In den EU-Mitgliedsstaaten gab es nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC bis Ende Oktober über 1.460 gemeldete Infektionen. Europaweit starben mindestens 170 Menschen an dem Virus, die meisten im Süden des Kontinents.

Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr waren es in der EU nur gut 200 gemeldete Infektionen gewesen. In allen europäischen Ländern zählte die Behörde damals 25 Todesfälle. Auch aus den Jahren davor sticht keines so heraus wie das Jahr 2018. Dabei dürfte in allen Jahren die Dunkelziffer noch höher liegen, da das Virus oft keine oder nur leichte Symptome hervorruft.

Die meisten Angesteckten bemerken die Infektion nicht

Besonders viele Todesfälle gab es 2018 in Europa in Italien (44), Griechenland (42), Rumänien (42) und Serbien (35). Dabei sind Todesfälle bei Infektionen selten. Rund 80 Prozent der Infizierten haben keine Symptome, rund 20 Prozent bekommen eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung.

Nur etwa jeder 150. Mensch – in der Regel ältere Patienten mit Vorerkrankungen – erkrankt schwer mit hohem Fieber und Gehirnhautentzündung. Kaltes Wetter trägt nun in Richtung Jahresende dazu bei, dass die vor allem durch Mücken übertragenen Erreger zurückgehen.

Ohne Mücken sinkt die Ansteckungsgefahr

In Deutschland wurde das Virus bis auf den Fall eines Tierarztes in Bayern nur bei Reiserückkehrern nachgewiesen. Dieser steckte sich bei der Untersuchung eines Vogels an. Durch Mücken sei bislang keine Infektion in Deutschland bekannt geworden, erklärte eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI). Bei kaltem Wetter und ohne Mücken werde das ohnehin geringe Infektionsrisiko nun noch geringer. „Es ist nicht auszuschließen, aber schon sehr unwahrscheinlich“, sagte sie.

In diesem Jahr war das Virus jedoch erstmals bei Vögeln und Pferden in Deutschland nachgewiesen worden. Zwölf Fälle bei Vögeln und zwei bei Pferden seien bisher festgestellt worden, erklärte eine Sprecherin des zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts. Mit sechs Tierinfektionen habe es die meisten registrierten Fälle bisher in Sachsen-Anhalt gegeben. Allerdings hat es seit Mitte Oktober keinen neuen West-Nil-Virus-Befund in Deutschland mehr gegeben.

Das Virus breitet sich weltweit aus

Das West-Nil-Virus hat sich seit seinem ersten Nachweis rasch über fast alle Erdteile ausgebreitet. Erstmals wurde es 1937 in der Region West Nil in Uganda nachgewiesen, später in anderen Ländern Afrikas und Asiens. In den 1990er-Jahren schaffte es den Sprung über den Atlantik. Im Sommer 2002 erlebten die USA eine erste größere Epidemie mit über 4.000 Erkrankten und 250 Todesfällen.

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